Samstag, September 25

Der Herbst heist Ende ...

"Willkommen zurück" scheint mir die "Verfassen" Seite in meinem Blog zuzurufen. Als würde selbst sie sich freuen, dass ich es anscheinend doch schaffe nun hin und wieder etwas aus meinen Fingern zu saugen. Wenn ich mich erst einmal auf sie begeben habe und die ersten Wörter sich auf dem weissen Hintergrund aufzeichnen, stellt sich ja doch irgendwie ein Gefühl der inneren Ruhe ein. Jetzt kann mich erstmal nichts mehr aufhalten, meine teilweise doch recht "speziellen" Gedanken mit der Welt zu teilen. Weder die leere "American-Schoko-Cookies" Packung auf dem Tisch neben mir, die förmlich danach schreit ersetzt zu werden, weder die tote und doch reichlich zerquetschte Mücke an der Wand mir gegenüber (Notiz an mich selbst: mach sie weg -.-), noch das Verlangen doch mal wieder den Fernseher anzuschalten, um zu gucken ob nicht doch irgendetwas läuft. Ich habe zwar noch keinen blassen Schimmer was ich schreiben möchte, aber das wird sich ja hoffentlich ergeben. Oder um genau zu sein, habe ich schon eine Idee, eigentlich sogar viele, aber mir fällt, wie immer, doch der Anfang recht schwer.
Ich freue mich übrigens sehr über Rückmeldungen zu verschiedensten Themen. Ich unterhalte mich gerne mit euch über beschriebene Themen, ich lasse mir gerne sagen "schreib doch mal mehr so oder darüber". Solange die Worte "Ey", "Alter" und "Käseaufschnitt" nicht darin zu finden sind, nehme ich nur allzu gern alles zur Kenntnis.
So jetzt stecke ich mir noch schnell einen weiteren Kaugummi in den Mund und los gehts ;D

Der immernoch kälter werdende Wind strich mir durch die Haare. Ich hatte mich auch nach einer knappen Woche noch nicht daran gewöhnt, dass mein Nacken unglaublich kühl war.
"Vielleicht hätte ich mir die Haare doch nicht schneiden lassen sollen. Zumindest doch nicht am Herbstanfang"
Der übliche, morgige Weg zur Straßenbahn, schien sich heute einmal wieder nicht gerade wenig in die Länge zu ziehen. Der trübgraue Himmel, aus dem in unregelmäßigen Abständen kleine Nieselschauer hervorbrachen, trug seinen Teil bei, meine Stimmung im Keller zu halten.
Einen Schritt nach dem anderen brachte ich mit mürrischer Laune hinter mich. Das regelmäßige Rauschen der vorbeifahrenden Autos, nahm ich nur unweigerlich war.
"So nervig die Schule auch ist, wenigstens ist es da drin trocken und halbwegs warm"
Nicht das es nicht zu hause ebenfalls warm und trocken gewesen wäre, doch die gesetztlichen
Grundlagen meine Heimatlandes zwangen mich ja doch an 5 Tagen die Woche, aus dem Haus zu müssen. Ein weiterer fast schon eisiger Windstoß blies mir ins Gesicht. Mir selbst machte die Kälte nichts aus, doch ich dachte mit Sorge daran, wie viele wohl ordentlich frieren mochten. Ein leichtes Grinsen schlich sich auf mein Gesicht.
"Bin mal gespannt wem ich heute meine Jacke andrehen muss damit er nicht mehr
bibbert"
Ich wandte meinen Blick nach rechts, nur um einen kurzen Blick auf den Park zu erhalten. Das mickrige, feuchte krass wirkte eher matschig und die tapferen Bäume wiegten ihre, mit sich langsam verfärbenden Blättern besetzen, Kronen im Wind.
"Eigentlich ist der Herbst doch nur ein Trauerspiel der Natur. Alles vergeht und wird trüb"

Ein, nach
ausen hin sicher trübsinniger, Blick auf den Boden vor mir, vergewisserte mich nur darin. Das nasse, vor sich hinfaulende erste Laub, schmatzte nicht gerade angenehm unter meinen Schuhen. "Eigentlich dämlich von mir in Stoffschuhen rumzulaufen. Aber andererseits spar ich mir so das Schuhe kaufen" Ich hielt an einer roten Ampel. Der riesige, sicher uralte Baum, auf dem dünnen Grasstreifen in der Mitte der Straße, war schon garnicht mehr richtig als Baum zu erkennen. Diese angebliche Kastanien-Motte schien ihr Werk ja ganz ordentlich zu tun. Das traurige, braune, unförmige Zeug das an den Ästen des Baumes hing, war definitiv nicht mehr als Blätter auszumachen.
"Da sieht man mal wieder, wie wir uns selber zugrunde richten"

Die Ampel sprang um auf Grün und ich setzte meine müden Schritte fort. Über den Mittelstreifen, den sorglos ins Gras getretennen Trampelpfad, die andere Straßenseite. Ich stellte mich an die Straßenbahnstation und warf einen Blick die Straße hinunter.
"Natürlich! Wenn ich mal pünktlich bin, kommst du wieder zu spät. War ja eigentlich klar."

Ich schaute mich ein wenig um. Die Gesichter der paar umstehenden Menschen wirkten dem Wetter entsprechend. Alle blickten mit dem selben trüben und ungeduldigen Blick entweder auf den Boden oder in die Richtung aus der die Bahn nun eigentlich längst kommen müsste. Ihnen allen stand geradezu ins Gesicht geschrieben, dass ihnen das graue Wetter genauso zu zusetzen schien, wie mir. Ich warf einen Blick auf die Uhr. Die weissen Ziffern verrieten mir, dass die Bahn inzwischen 3 Minuten Verspätung hatte. Typisch. Ich lies meinen Blick erneut über die Straße streifen. Dasselbe kalte, graue Bild erwartete mich. Auf der anderen Straßenseite, konnte ich zwei Personen eng beieinander stehen sehen.
"Was gibt es in der Welt eigentlich noch schönes, wenn sogar die Natur stirbt ?"

Der Himmel schien wie auf Befehl einen dünnen Spalt in die Wolkendecke zu treiben. Ein kleiner Lichtstrahl brach daraus hervor. "Ich meine wenn einem das Wetter nicht aufs Gemüt schlägt, dann tut es der Anblick der sterbenden Pflanzen" Das kleine bisschen Licht spiegelte sich auf den Regentropfen, die sich hier und da in Form gehalten hatten.
"Woran soll man den glauben, wenn um einen herum alles eingeht ? Mal davon abgesehen das IN mir sowieso alles eingeht!"

Die zwei Personen auf der anderen Straßenseite, dich ich ohne es zu bemerken beobachtet hatte, küssten sich. Seine Hand lag locker und doch bestimmt an ihrer Hüfte, ihre Hände schlossen sich, fast schon klammernd um seinen Nacken. Und ohne das irgendwer es erwartet hätte, begann der schwache Lichtschimmer anzuschwellen, schien von fast überall zurückgeworfen, nur um in diesem Moment auf diese zwei Personen zu strahlen. Sie lösten sich von einander und ich konnte, so gut es eben von der anderen Straßenseite ging, das Lächeln zwischen den langen blond, braunen Haaren erkennen. Ein letzter flüchtiger Kuss und die beiden ließen voneinander ab und gingen in verschiedene Richtungen, zu verschiedenen Haltestellen, voneinander fort.

An dieser Stelle möchte ich nochmal einen kurzen Kommentar einwerfen.
So unglaublich manches auch scheint, ich beschreibe lediglich die Dinge die ich sehe. Meine Geschichten geschehen genauso, wie ich sie hier schildere, meine Gedankengänge gebe ich ebenfalls zu den Themen wieder, wie ich sie gedacht habe. Ich kann nicht behaupten sie eins zu eins wiederzugeben. Dafür gehen sie viel zu schnell vorbei und sind viel zu verschachtelt. Ich versuche lediglich das, was sich gut zusammenpacken lässt, zu kombinieren um eine möglichst schöne Geschichte zu schreiben.
So jetzt gönne ich mir einen weitere Kaugummi (man verlieren die Dinger schnell den Geschmack), schaue
ebend kurz auf meine Playlist, die im Hintergrund durchgängig läuft, was für ein Song als nächstes kommt (30 seconds to mars - this is war) und begebe mich zurück in die Geschichte.

Obwohl sie beide in verschiedene Richtungen gingen, fort voneinander, war auf ihren beiden Gesichtern das gleiche zu lesen.

"Ich sehe dich wieder"

So unterschiedlich ihre Reaktionen auch waren, sie: darum bemüht das Lächeln auf ihren Lippen zu verstecken und sich auffällig oft durch die Haare streichend, er: sein Grinsen schon garnicht mehr unterdrückend und ab und zu zu ihr zurückblickend, so gleich war doch das, was sie vermutlich beide dachten.
"Wir"
Mir wurde bewusst, dass mein Herz für einen kurzen Moment aufgehört hatte zu schlagen, als es dies mit unglaublicher Intensität wieder aufnahm.
Das laute Pochen in meiner Brust, das Rauschen den Blutes in meinen Ohren, das kribbeln bis in meine Fingerspitzen, ließen mich etwas begreifen.
"Natürlich geht es
zu Ende. Natürlich sterben die Pflanzen. Natürlich ist der Himmel grau.
Aber wer sagt denn, dass das so bleibt ? Wer sagt denn das es nicht irgendwann, wenn nicht sogar bald, wieder so wird wie davor ? Wer sagt das es nicht sogar schöner wird ?
Schließlich wird doch erst durch den Schatten, das Licht zum Licht, schließlich wird erst durch den Regen, der Sonnenschein zum Sonnenschein, schließlich wird doch erst durch die Sehnsucht, die Liebe zur Liebe.
Es kann zu Ende gehen. Es kann traurig sein. Aber es ist nichts für immer. Vergänglichkeit muss nichts schlechtes sein. Vergänglichkeit, bedeutet nur, dass sich etwas Verändert. Und wie immer habe ich nicht daran gedacht WIE VIEL sich verändert. Denn schließlich ist alles und jeder, immer und ewig dabei sich zu verändern.
Und diese Veränderung ist es, die manches, hin und wieder trüb oder schwach erscheinen lässt. Natürlich verliert der Baum seine Blätter. Doch aber nur um im nächsten Frühling, erneut prachtvoll zu erblühen und zu
sprießen. Das Leben ist nichts besonderes ohne den Tod. Das Glück ist nichts besonderes ohne die Trauer. Und das Zusammen ist nichts besonderes ohne das Allein. "
Ich betrachtete das sein Gesicht, als er immer näher kam. Er stellte sich in meiner Nähe ebenfalls an die Haltestelle.
Ihn unauffällig beobachtend, war alles was ich dachte und empfand, unendlich Freude. Freude das es ihm so offensichtlich gut ging. Er dachte nicht daran, dass er sie verlassen musste. Er dachte daran, dass er sie nur allzubald wiedersehen würde. Als mir dies bewusst wurde, bemerkte ich, dass ich selbst ,,Sie" nur allzubald sehen würde.
Ein überglückliches Grinsen sprang in mein Gesicht, welches ich garnicht erst versuchte zu verstecken und stieg in die gerade heranfahrende Bahn. In den folgenden 20 Minuten Fahrt, beobachtete ich sein Gesicht.
Es schien, so fern sie auch inzwischen von ihm war, doch immer noch vor Glück fast über zu schäumen. Als Freunde von ihm in die Bahn stiegen und sie sich anscheinend über eben jenes Thema zu unterhalten schienen, platze das Glück aus seinem Gesicht und schien kein Ende zu finden.
Ich hatte in all der Zeit nur einen Gedanken.
"Wäre ich nicht so ein
Pessimist, wäre mir all das schon viel früher aufgefallen. Und ich würde daran glauben, dass das Glück immer überall ist."
In nicht zu ferne Zukunft, sollte ich im Unterricht, ein Gedicht hören, dass die beiden Seiten des Herbstes perfekt beschrieb. Zum einen neigt sich alles dem Ende, doch zugleich zeigt es sich in letzter und unvergleichlicher Pracht.
Ich saß in der Stunde, lauschte der unglaublich enthusiastischen Stimme die das Gedicht vortrug und schaute verträumt aus dem Fenster, wo die hervorbrechenden Sonnenstrahlen, sich in den auf den Blättern ruhenden Regentropfen brachen und Schönheit und Schande perfekt vereinten.
Ein schwaches Lächeln stieg mir auf die Lippen.
"Das mag wohl stimmen. Da kann ich ja nur hoffen, dass ich den Herbst in mir selber überstehe. Ich freue mich schon auf den Frühling"

2 Kommentare:

  1. Ich finde der Text ist dir unglaublich gut gelungen und ich finde einige meiner Gedanken und Gefühle darin wieder. Ganz besonders haben mich die Stellen berührt, an denen du das Paar beschreibst und die mit dem "Ohne Schatten kein Licht" usw. Das ist echt unglaublich poetisch und wunderschön formuliert. Ich mag den Text wirklich sehr !

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  2. Erst durch den Schattenwird Licht zum Licht.
    Erst durch den Regen wird der Sonnenschein zum Sonnenschein und erst durch die Sehnsucht wird die Liebe zur Liebe.♥
    Wunderbar ausgedrückt! Respekt!
    Erstaunlich wie genau du die Natur beobachtest und wie gut du das alles in Worte fassen kannst!

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